New York · Viertel & Kultur
Nur eine Straßenkreuzung trennt hier zwei Kulturen: Auf der einen Seite duftet es nach gebratenen Teigtaschen und Kräutertee, auf der anderen nach Espresso und Cannoli. Chinatown und Little Italy erzählen die Geschichte der Einwanderung in Lower Manhattan wie kaum ein anderer Ort.
Chinatown: Lebendig, laut und authentisch
Die ersten chinesischen Einwanderer ließen sich im 19. Jahrhundert rund um die Mott Street nieder. Durch den Chinese Exclusion Act von 1882, der die Einwanderung aus China jahrzehntelang stark einschränkte, blieb die Gemeinschaft lange klein. Erst nach der Reform der Einwanderungsgesetze in den 1960er-Jahren wuchs Chinatown rasant. Heute zählt das Viertel zu den größten chinesischen Gemeinschaften außerhalb Asiens.
Anders als manche touristische Chinatowns in anderen Städten ist dieses Viertel ein echtes Wohn- und Geschäftsviertel. Auf den Märkten werden frischer Fisch, exotisches Obst und getrocknete Spezialitäten verkauft, in den Seitenstraßen findest du Kräuterapotheken, Teehäuser und Bäckereien.
Unsere Highlights in Chinatown
- Mott Street: Die historische Hauptstraße mit Restaurants, Läden und der Kirche Church of the Transfiguration, die schon verschiedenen Einwanderergruppen als Gotteshaus diente.
- Doyers Street: Eine kurze, scharf geknickte Gasse, die um 1900 wegen der Auseinandersetzungen rivalisierender Banden als „Bloody Angle“ berüchtigt war. Heute ist sie friedlich und ziemlich fotogen.
- Columbus Park: Hier spielen ältere Bewohner Mahjong und chinesisches Schach, manche musizieren oder machen Tai-Chi. Ein wunderbarer Ort, um das Alltagsleben zu beobachten.
- Canal Street: Die laute Hauptverkehrsader mit unzähligen kleinen Läden. Hier liegt auch einer der großen buddhistischen Tempel des Viertels mit einer eindrucksvollen goldenen Buddha-Statue.
Banana-Joe-Tipp: Komm hungrig! Dim Sum wird traditionell vor allem zum Frühstück und Mittagessen serviert. Bestelle in der Gruppe viele kleine Portionen und teile – so probierst du dich am besten durch die Vielfalt. Und hab etwas Bargeld dabei, denn nicht jeder kleine Laden nimmt Karten.
Little Italy: Ein Stück Neapel in Manhattan
Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts kamen Hunderttausende Italiener nach New York, viele davon aus Süditalien. Rund um die Mulberry Street entstand ein dicht besiedeltes Viertel, in dem in den engen Mietshäusern oft mehrere Familien auf kleinstem Raum lebten. Little Italy war damals deutlich größer als heute.
Mit wachsendem Wohlstand zogen viele italienische Familien in andere Stadtteile oder Vororte, während Chinatown sich ausdehnte. Heute konzentriert sich Little Italy im Wesentlichen auf einige Blocks der Mulberry Street. Die rot-weiß-grünen Fahnen, die Trattorien mit Tischen auf dem Gehweg und die Kellner, die dich freundlich hereinwinken, sind aber geblieben.
Das Fest von San Gennaro
Jedes Jahr im September verwandelt sich die Mulberry Street für elf Tage in ein großes Straßenfest zu Ehren des Schutzheiligen von Neapel. Seit 1926 wird das Fest gefeiert, mit Prozessionen, Musik, Essensständen und viel Trubel. Wenn du zu dieser Zeit in der Stadt bist, solltest du dir das nicht entgehen lassen.
Nolita und Old St. Patrick’s
Nördlich von Little Italy schließt sich Nolita an – die Abkürzung steht für North of Little Italy. Hier haben kleine Boutiquen, Cafés und Designerläden Einzug gehalten. Mittendrin steht die Basilica of St. Patrick’s Old Cathedral, die erste Kathedrale des Erzbistums New York, bevor die berühmte St. Patrick’s Cathedral an der Fifth Avenue gebaut wurde. Die alte Backsteinmauer rund um den Friedhof ist ein ungewöhnlich ruhiger Ort im Großstadttrubel.
Übrigens: Viele New Yorker sagen, die „echte“ Little Italy liege heute an der Arthur Avenue in der Bronx, wo noch zahlreiche italienische Familienbetriebe ansässig sind. Für Feinschmecker kann sich auch dieser Ausflug lohnen.
So verbindest du beide Viertel
Chinatown und Little Italy liegen so dicht beieinander, dass du beide gut an einem Nachmittag zu Fuß erkunden kannst. Ein schöner Rundgang beginnt am Columbus Park, führt über Mott Street und Doyers Street und dann nach Norden über die Canal Street bis zur Mulberry Street. Zum Abschluss passt ein Espresso oder ein Cannolo in Little Italy perfekt.
Gut zu wissen: Im Umfeld der Canal Street werden gefälschte Markenwaren angeboten. Davon solltest du die Finger lassen – nicht nur aus rechtlichen Gründen, sondern auch, weil die Einfuhr nach Europa Ärger beim Zoll bedeuten kann. Mehr über den Süden Manhattans erfährst du auf unserer Tour Erlebe den Süden Manhattans.
Auf einen Blick
- Beste Reisezeit: ganzjährig; im September zum Fest von San Gennaro, im Winter zum chinesischen Neujahrsfest
- Lage: Lower Manhattan, rund um Canal Street, Mott Street und Mulberry Street
- Zeitbedarf: zwei bis vier Stunden, je nach Hunger
- Essen: Dim Sum, Teigtaschen, Pasta, Cannoli
- Tipp: etwas Bargeld für kleine Läden einstecken
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