Madeira · Kulinarik
Madeira hat nicht nur Berge, Blumen und Levadas, sondern auch zwei Getränke mit echtem Kultstatus. Der Madeirawein ist ein Klassiker mit jahrhundertealter Geschichte, die Poncha dagegen der bodenständige Drink der Fischer und Bauern. Wir verraten dir, was hinter beiden steckt – und was du dazu essen solltest.
Madeirawein: Ein Wein, der Hitze liebt
Madeirawein ist ein aufgespriteter Wein, das heißt, während oder nach der Gärung wird Alkohol zugesetzt. Das allein macht ihn noch nicht einzigartig. Das Besondere ist die Art, wie er reift: Er wird bewusst Wärme ausgesetzt. Diese Methode geht der Überlieferung nach auf die Seefahrt zurück. Fässer, die als Ballast oder Proviant auf langen Schiffsreisen durch die Tropen mitfuhren, kamen mit einem Wein zurück, der durch Hitze und Bewegung besser schmeckte als vorher. Die Winzer auf Madeira ahmten diesen Effekt später an Land nach.
Zwei Wege zur Reife
- Estufagem: Der Wein wird in Tanks über mehrere Monate langsam erwärmt. Das ist die schnellere Methode für jüngere, unkompliziertere Weine.
- Canteiro: Der Wein reift über viele Jahre in Holzfässern, die auf den warmen Dachböden der Weinkellereien lagern. So entstehen die großen, komplexen Madeiras.
Das Ergebnis ist ein Wein, der fast unverwüstlich ist. Eine geöffnete Flasche hält sich lange, und alte Jahrgänge können Jahrzehnte, manchmal sogar mehr als ein Jahrhundert überdauern.
Die Rebsorten: Von trocken bis süß
Klassischer Madeirawein wird oft nach seiner Rebsorte benannt, und die Sorte verrät dir gleich den Süßegrad:
- Sercial: trocken, frisch und säurebetont – gut als Aperitif.
- Verdelho: halbtrocken mit feinen Noten von Nüssen und Zitrus.
- Boal (Bual): halbsüß, rund und mit Aromen von Karamell und Trockenfrüchten.
- Malvasia (Malmsey): süß, vollmundig und ein toller Begleiter zum Dessert.
Die am häufigsten angebaute Rebsorte der Insel ist allerdings Tinta Negra, aus der ein Großteil der Weine entsteht. Eine Weinprobe in einer der traditionsreichen Kellereien in Funchal ist eine schöne Gelegenheit, die Unterschiede direkt nebeneinander zu probieren.
Banana-Joe-Tipp: Bring dir eine Flasche als Souvenir mit, aber kauf sie lieber in einer Kellerei oder einem Fachgeschäft als am Flughafen – dort bekommst du Beratung und kannst vorher probieren. Und da Madeirawein so haltbar ist, übersteht er auch den Rückflug problemlos.
Poncha: Der Drink der Insel
Wenn der Madeirawein der elegante Gentleman ist, dann ist die Poncha der gesellige Kumpel. Die klassische Poncha besteht aus nur drei Zutaten: Aguardente de cana, also Zuckerrohrschnaps, Honig und frisch gepresstem Zitronensaft. Gemixt wird sie mit einem speziellen Holzquirl, den man zwischen den Handflächen dreht. Das Ergebnis ist süß, sauer und kräftig zugleich.
Ihren Ursprung hat die Poncha bei den Fischern rund um Câmara de Lobos, die sich damit gegen Kälte und Erkältungen wappneten – so erzählt man es zumindest. Heute gibt es unzählige Varianten, etwa mit Maracujá, Orange oder Tangerine. In kleinen Bars auf dem Land wird die Poncha oft frisch vor deinen Augen zubereitet.
Ein Wort der Warnung: Die Poncha schmeckt harmlos, ist es aber nicht. Der Zuckerrohrschnaps hat ordentlich Prozente. Wer selbst fährt, lässt die Finger davon.
Und noch ein Getränk, das du kennen solltest: Coral heißt das bekannteste Bier der Insel, das du in praktisch jeder Bar bekommst. Für alle, die es alkoholfrei mögen, gibt es Brisa, eine Limonade, die es in Sorten wie Maracujá gibt und die auf Madeira fast so beliebt ist wie die Poncha. Ein Glas eiskalte Brisa Maracujá an einem warmen Nachmittag ist ein kleines Inselritual, das du dir gönnen solltest.
Was du dazu essen solltest
Getränke und gutes Essen gehören auf Madeira zusammen. Diese Spezialitäten solltest du nicht verpassen:
- Espetada: Rindfleischspieße, traditionell auf Lorbeerzweigen gegrillt und am Tisch hängend serviert.
- Bolo do Caco: rundes Fladenbrot, auf einer Steinplatte gebacken und mit Knoblauchbutter bestrichen.
- Espada com banana: schwarzer Degenfisch, oft mit gebratener Banane und Maracujasauce.
- Lapas: Napfschnecken, in der Pfanne mit Knoblauch und Butter gegart.
- Bolo de Mel: ein dunkler, würziger Kuchen mit Zuckerrohrhonig, traditionell zur Weihnachtszeit gebacken.
Ein Besuch in Câmara de Lobos lohnt sich übrigens nicht nur wegen der Poncha. Das malerische Fischerdorf mit seinen bunten Booten gehört zu den schönsten Fotomotiven der Südküste. Viele Ideen für deinen Tag findest du bei unseren Madeira-Touren mit deutschsprachigen Guides.
Auf einen Blick
- Beste Reisezeit: ganzjährig; im Spätsommer findet die Weinlese statt
- Edle Rebsorten: Sercial, Verdelho, Boal, Malvasia
- Poncha-Zutaten: Zuckerrohrschnaps, Honig, Zitronensaft
- Poncha-Hochburg: Câmara de Lobos und die Dörfer der Umgebung
- Vorab prüfen: Zeiten für Weinproben und Kellereibesuche
Genießen statt selbst fahren
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