New York · Parks & Natur
Mitten im Häusermeer von Manhattan liegt ein grünes Rechteck, das größer ist als so manche Kleinstadt: der Central Park. Wer hier nur einmal quer durchläuft, verpasst die Hälfte. Wir zeigen dir die Ecken, für die sich ein langsamer Spaziergang wirklich lohnt.
Ein Park, der komplett von Menschen gemacht ist
Was aussieht wie Natur pur, ist in Wahrheit ein gigantisches Landschaftskunstwerk. Frederick Law Olmsted und Calvert Vaux gewannen 1858 mit ihrem „Greensward Plan“ den Wettbewerb für den neuen Stadtpark. In den folgenden Jahren wurden Felsen gesprengt, Erde bewegt, Seen ausgehoben und Hunderttausende Bäume und Sträucher gepflanzt. Das Ergebnis erstreckt sich heute über rund 340 Hektar zwischen der 59th und der 110th Street, eingerahmt von der Fifth Avenue und dem Central Park West.
Ein cleverer Trick der Planer: Die Querstraßen, die den Park durchschneiden, liegen tiefer als die Wege. So rollt der Verkehr unter dir hindurch, ohne dass du viel davon merkst. Diese Idee war damals revolutionär – und sie ist der Grund, warum sich der Park bis heute so erstaunlich ruhig anfühlt.
Die Klassiker im Süden des Parks
Der südliche Teil ist der bekannteste und für einen ersten Besuch ideal. Hier liegen viele der Orte, die du vermutlich schon aus Filmen kennst.
The Mall und Literary Walk
Die lange, schnurgerade Allee mit ihren mächtigen Ulmen ist einer der wenigen streng geometrischen Teile des Parks. Am südlichen Ende stehen Statuen von Schriftstellern wie William Shakespeare und Robert Burns – daher der Name Literary Walk. Im Herbst, wenn sich das Blätterdach golden färbt, ist das einer der fotogensten Wege der Stadt.
Bethesda Terrace und Bethesda Fountain
Die Mall endet an einer prachtvollen Terrasse, die zum Wasser hinabführt. Die Arkade darunter ist mit aufwendig gestalteten Fliesen verziert, und im Zentrum des Platzes thront der Brunnen mit der Statue „Angel of the Waters“. Sie stammt von Emma Stebbins, der ersten Frau, die einen öffentlichen Großauftrag für eine Skulptur in New York erhielt. Straßenmusiker nutzen die Akustik der Arkade gern – stehen bleiben und zuhören ist ausdrücklich erlaubt.
Bow Bridge
Die elegante gusseiserne Brücke über den See ist wohl die romantischste Ecke des Parks. Von hier aus siehst du die Skyline der Upper West Side über den Baumwipfeln aufragen. Wenn du willst, kannst du in der warmen Jahreszeit am Loeb Boathouse ein Ruderboot leihen und die Brücke vom Wasser aus bestaunen.
Banana-Joe-Tipp: Starte früh am Morgen. Vor neun Uhr gehört der Park vor allem Joggern, Hundebesitzern und Vögeln – und du bekommst Bow Bridge und Bethesda Terrace fast für dich allein aufs Foto.
Ruhige Ecken abseits des Trubels
Nur wenige Schritte von den großen Fotospots entfernt wird es plötzlich still. Genau diese Kontraste machen den Central Park so besonders.
- The Ramble: Ein verschlungenes Waldstück mit kleinen Bächen und Felsen. Hier verirrt man sich gern ein bisschen – und Vogelfreunde kommen voll auf ihre Kosten, denn der Park liegt auf einer wichtigen Zugvogelroute.
- Belvedere Castle: Eine kleine Burg im viktorianischen Stil auf einem Felsen. Von der Terrasse blickst du über den Turtle Pond und den Great Lawn.
- Strawberry Fields: Der Gedenkort für John Lennon an der Westseite, gegenüber dem Dakota Building, in dem er lebte. Das schwarz-weiße Mosaik mit dem Wort „Imagine“ ist oft mit Blumen geschmückt. Bitte leise sein – für viele Besucher ist das ein sehr persönlicher Ort.
- Conservatory Garden: Ganz im Nordosten an der Fifth Avenue liegt der einzige formale Garten des Parks, aufgeteilt in einen italienischen, französischen und englischen Bereich. Hierher verirren sich deutlich weniger Touristen.
Kleine Entdeckungen für Kinder und Kindgebliebene
Familien sollten unbedingt bei der Bronzestatue von Alice im Wunderland am Conservatory Water vorbeischauen. Die Figuren dürfen beklettert werden, und entsprechend blank poliert sind manche Stellen. Gleich daneben lassen Modellbootfans an Wochenenden ihre Segelschiffchen über den Teich gleiten. Nicht weit entfernt steht die Statue von Balto, dem berühmten Schlittenhund, der an eine dramatische Medikamentenlieferung in Alaska im Jahr 1925 erinnert.
Ganz im Süden, an der Ecke zur Fifth Avenue, liegt The Pond mit der Gapstow Bridge. Der Blick von der Brücke auf die Wolkenkratzer der Billionaires’ Row ist einer der eindrucksvollsten Kontraste zwischen Natur und Großstadt, den New York zu bieten hat. Im Winter verwandelt sich der nahe Wollman Rink in eine Eisbahn mit Skyline-Kulisse.
So planst du deinen Besuch
Der Park ist riesig, und die Entfernungen werden gern unterschätzt. Eine Runde vom Süden bis zum Reservoir und zurück ist schnell ein Halbtagesprogramm. Bequeme Schuhe, Wasser und im Sommer Sonnenschutz gehören deshalb ins Gepäck. Öffentliche Toiletten gibt es, aber nicht an jeder Ecke – am besten merkst du dir unterwegs, wo du welche gesehen hast.
Fahrradverleihe und Pferdekutschen findest du rund um den Park, die Konditionen ändern sich allerdings regelmäßig. Prüfe aktuelle Angebote am besten vorab online. Und wenn du den Park mit anderen Highlights in Midtown verbinden möchtest, wirf einen Blick auf unsere Tour Das Herz von Manhattan.
Auf einen Blick
- Beste Reisezeit: Frühling (Blüte) und Herbst (Laubfärbung); im Winter mit etwas Glück verschneit
- Lage: zwischen 59th und 110th Street, Fifth Avenue und Central Park West
- Größe: rund 340 Hektar
- Zeitbedarf: mindestens zwei bis drei Stunden für den südlichen Teil
- Nicht verpassen: Bethesda Terrace, Bow Bridge, Strawberry Fields, Conservatory Garden
Central Park mit deutschsprachigem Guide
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