New York · Stadtgeschichte
An der Südspitze Manhattans begann die Geschichte New Yorks – und hier schlägt bis heute das Herz der Finanzwelt. Zwischen engen Straßen, Kirchen aus der Kolonialzeit und gläsernen Türmen erlebst du, wie aus einer kleinen Handelssiedlung eine Weltmetropole wurde.
Woher die Wall Street ihren Namen hat
Im 17. Jahrhundert gehörte die Südspitze Manhattans zur niederländischen Kolonie Nieuw Amsterdam. Um die Siedlung vor Angriffen zu schützen, errichteten die Niederländer 1653 eine Palisade aus Holz am nördlichen Rand der Stadt. Entlang dieser Mauer entstand ein Weg, der später zur Wall Street wurde. Die Mauer selbst wurde Ende des 17. Jahrhunderts abgerissen, der Name ist geblieben.
Auch an anderen Stellen spürst du hier die niederländischen Wurzeln. Die Straßen im Financial District folgen nicht dem Raster des restlichen Manhattans, sondern verlaufen eng und verwinkelt wie in einer europäischen Altstadt. Die Stone Street gilt als eine der ersten gepflasterten Straßen der Stadt und ist heute eine beliebte Gasse mit Restaurants und Bars.
Die Geburt der Börse
1792 unterzeichneten 24 Händler unter einer Platane an der Wall Street das sogenannte Buttonwood Agreement. Damit legten sie die Grundlage für die spätere New York Stock Exchange. Das heutige Börsengebäude mit seiner klassizistischen Fassade und den mächtigen Säulen wurde 1903 eröffnet. Zu besonderen Anlässen hängt eine riesige amerikanische Flagge an der Fassade – ein beliebtes Fotomotiv.
Charging Bull und Fearless Girl
Der berühmte Bronzebulle in der Nähe des Bowling Green hat eine kuriose Geschichte. Der Künstler Arturo Di Modica stellte ihn 1989 ohne Genehmigung über Nacht vor der Börse auf, als Symbol für Optimismus nach dem Börsencrash von 1987. Die Stadt entfernte ihn zunächst, doch nach öffentlichem Protest fand der Bulle seinen heutigen Platz. 2017 kam die Statue Fearless Girl hinzu, ein Mädchen, das dem Bullen mutig die Stirn bot. Inzwischen steht sie gegenüber der Börse.
Banana-Joe-Tipp: Am Charging Bull bilden sich tagsüber lange Schlangen für Fotos. Wer früh morgens kommt, hat deutlich bessere Chancen auf ein Bild ohne Menschenmenge. Danach lohnt sich ein Kaffee in einer der Seitenstraßen.
Gründerväter und Kolonialgeschichte
Der Financial District ist auch der Ort, an dem die junge Nation ihre ersten Schritte machte. New York war kurzzeitig die erste Hauptstadt der Vereinigten Staaten.
- Federal Hall: An dieser Stelle wurde George Washington 1789 als erster Präsident der USA vereidigt. Das heutige Gebäude im Stil eines griechischen Tempels stammt aus dem 19. Jahrhundert. Davor steht eine große Statue Washingtons.
- Trinity Church: Die neugotische Kirche am Ende der Wall Street war lange das höchste Gebäude New Yorks. Auf ihrem Friedhof liegt unter anderem Alexander Hamilton begraben, der erste Finanzminister der USA.
- Fraunces Tavern: In dieser historischen Taverne verabschiedete sich George Washington 1783 von seinen Offizieren. Heute beherbergt das Gebäude ein Museum und ein Restaurant.
- Bowling Green: Der kleine Park gilt als ältester öffentlicher Park New Yorks. Der schmiedeeiserne Zaun stammt noch aus dem 18. Jahrhundert.
Moderne Finanzwelt und Ausblicke aufs Wasser
Hinter den historischen Fassaden verbirgt sich die moderne Finanzwirtschaft. Unter dem Gebäude der Federal Reserve Bank of New York lagert in einem tief im Felsen liegenden Tresor eine der größten Goldreserven der Welt, die vielen Ländern gehört. Ob und wie Besichtigungen möglich sind, solltest du vorab online prüfen.
Nur wenige Gehminuten entfernt öffnet sich der Blick aufs Wasser. Im Battery Park an der Südspitze Manhattans siehst du die Freiheitsstatue in der Ferne, und hier legen auch die Fähren nach Liberty Island und Ellis Island ab. Ganz in der Nähe startet die Staten Island Ferry, von deren Deck du einen wunderbaren Blick auf die Skyline und Lady Liberty hast.
Der Financial District ist an Wochentagen lebhaft und voller Menschen in Anzügen, am Wochenende dagegen deutlich ruhiger. Für Fotos und entspannte Spaziergänge ist der Samstag- oder Sonntagmorgen daher ideal. Das 9/11 Memorial liegt ebenfalls nur wenige Blocks entfernt – beides lässt sich gut auf unserer Tour Erlebe den Süden Manhattans verbinden.
Auf einen Blick
- Beste Reisezeit: ganzjährig; am Wochenende ruhiger
- Namensgeber: niederländische Palisade von 1653
- Buttonwood Agreement: 1792, Grundstein der New Yorker Börse
- Federal Hall: Vereidigung George Washingtons 1789
- Zeitbedarf: zwei bis drei Stunden zu Fuß
Geschichte zum Anfassen in Downtown
Von Nieuw Amsterdam bis zur Börse: Entdecke den Financial District mit einem deutschsprachigen Guide.

