Madeira · Stadtbummel
Funchal ist keine Hauptstadt, die dich mit Hochhäusern erschlägt. Sie empfängt dich mit Kopfsteinpflaster, Blumen an jeder Ecke und dem Duft von Passionsfrucht aus der Markthalle. Wir nehmen dich mit auf einen Bummel durch die Altstadt – vom Markt bis zu den bemalten Türen der Zona Velha.
Ein Name wie ein Gewürz
Funchal ist seit dem 15. Jahrhundert das Zentrum Madeiras. Ihren Namen verdankt die Stadt angeblich dem wilden Fenchel – auf Portugiesisch „funcho” –, der hier wuchs, als die ersten portugiesischen Seefahrer an Land gingen. Reich wurde Funchal zunächst durch Zucker, später durch den Madeirawein, der von hier aus in alle Welt verschifft wurde. Die Spuren dieser Zeit siehst du noch heute: Kirchen, Adelspaläste und alte Handelshäuser liegen dicht an dicht zwischen Hafen und Hang.
Die Stadt zieht sich wie ein Amphitheater vom Meer die Berge hinauf. Unten am Wasser ist es flach und gut zu Fuß zu erkunden, oben warten Aussichtspunkte und Gärten. Für einen ersten Eindruck brauchst du nicht mehr als bequeme Schuhe und ein paar Stunden Zeit.
Mercado dos Lavradores: Farbenrausch unter einem Dach
Der „Markt der Bauern” ist das Herz von Funchal. Die Markthalle wurde 1940 eröffnet und ist im Stil des Art déco gebaut. Schon am Eingang empfangen dich großflächige Azulejos, also die typischen bemalten Fliesen, die Szenen aus dem Inselleben zeigen. Drinnen gruppieren sich die Stände rund um einen offenen Innenhof.
Was dich im Markt erwartet
- Blumen: Strelitzien, Orchideen, Anthurien – oft von Händlerinnen in traditioneller Tracht verkauft.
- Exotische Früchte: Verschiedene Sorten Maracujá, Anona (Cherimoya), Tamarillo und kleine, süße Madeira-Bananen.
- Fischhalle: Hier liegt der Espada aus, der schwarze Degenfisch. Er sieht mit seinen großen Augen und den spitzen Zähnen furchteinflößend aus, schmeckt aber hervorragend – auf Madeira klassisch mit Banane serviert.
- Gemüse, Gewürze und Souvenirs: im Obergeschoss und rund um den Innenhof.
Banana-Joe-Tipp: Lass dich an den Obstständen nicht von der ersten Kostprobe überrumpeln. Die angebotenen Fruchtstücke sind lecker, aber frag immer nach dem Preis pro Kilo, bevor du dir eine Tüte zusammenstellen lässt – exotische Früchte können am Touristenstand schnell teuer werden.
Zona Velha: Die Altstadt mit den bemalten Türen
Nur wenige Schritte östlich des Marktes beginnt die Zona Velha, die eigentliche Altstadt. Früher war das Viertel ein eher vernachlässigtes Fischerquartier. Heute ist es eine der lebendigsten Ecken der Stadt, voller kleiner Restaurants, Bars und Galerien.
Berühmt ist vor allem die Rua de Santa Maria, eine der ältesten Straßen Funchals. Im Rahmen eines Kunstprojekts wurden hier zahlreiche Haustüren von Künstlerinnen und Künstlern bemalt. Jede Tür ist ein kleines Kunstwerk – mal verspielt, mal politisch, mal einfach nur bunt. Ein Spaziergang durch diese Gasse ist wie ein Besuch in einer Freiluftgalerie, und du solltest genug Speicherplatz auf dem Handy haben.
Am östlichen Ende der Zona Velha thront die gelb gestrichene Festung São Tiago über dem Meer. Ganz in der Nähe startet außerdem die Seilbahn hinauf nach Monte – praktisch, wenn du den Stadtbummel mit einer Fahrt im Korbschlitten verbinden möchtest.
Weitere Highlights in der Innenstadt
- Sé (Kathedrale): Die Kathedrale aus der Zeit um 1500 wirkt von außen schlicht, innen beeindruckt sie mit einer kunstvoll geschnitzten Holzdecke.
- Avenida Arriaga: Die elegante Hauptachse mit Jacaranda-Bäumen, die im Frühling lila blühen.
- Uferpromenade und Hafen: Ideal zum Flanieren und Schiffeschauen.
- Stadtgärten: Der Stadtpark mitten im Zentrum ist eine grüne Oase mit subtropischen Pflanzen.
Kleine Genusspausen unterwegs
Ein Stadtbummel in Funchal ist auch eine kulinarische Tour. In vielen Cafés bekommst du Bolo do Caco, das typische Fladenbrot der Insel, warm und mit Knoblauchbutter bestrichen. Dazu passt ein frisch gepresster Saft aus Maracujá oder ein kleiner Espresso, den die Madeirer „Bica” nennen. Und in der Zona Velha reiht sich abends ein Restaurant an das nächste – ein guter Ort, um den Tag mit gegrilltem Fisch oder einer Espetada, dem Rindfleischspieß am Lorbeerzweig, ausklingen zu lassen.
Wer mehr Zeit hat, kann von Funchal aus in die Berge oder an die Küste fahren. Eine gute Übersicht über Ausflüge mit deutschsprachigem Guide findest du auf unserer Seite zu den Madeira-Touren auf Deutsch.
Auf einen Blick
- Beste Reisezeit: ganzjährig; der Markt ist vormittags am lebendigsten
- Zeitbedarf: ein halber Tag für Markt, Zona Velha und Kathedrale
- Fortbewegung: zu Fuß, die Altstadt ist kompakt
- Probieren: Maracujá, Anona, Espada mit Banane
- Vorab prüfen: aktuelle Öffnungszeiten des Marktes, besonders an Sonn- und Feiertagen
Funchal und mehr an einem Tag
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