Everglades · Tierwelt
Fast jeder, der in die Everglades kommt, will einen Alligator sehen. Was viele nicht wissen: Hier lebt auch das Amerikanische Krokodil. Südflorida ist weltweit der einzige Ort, an dem beide Arten natürlich nebeneinander vorkommen. Wir zeigen dir, wie du sie auseinanderhältst – und warum dieser Unterschied mehr ist als Besserwisser-Wissen.
Zwei Arten, ein Sumpf
Der Mississippi-Alligator (Alligator mississippiensis), auch Amerikanischer Alligator genannt, ist im Südosten der USA weit verbreitet – von den Carolinas über Florida bis nach Texas. In Florida ist er so häufig, dass du ihn in fast jedem Teich, Kanal oder Sumpf antreffen kannst. Die Bestände in Florida gehen in die Hunderttausende, Schätzungen liegen sogar deutlich über einer Million Tiere.
Das Spitzkrokodil oder Amerikanische Krokodil (Crocodylus acutus) dagegen kommt in der Karibik, in Mittelamerika und im Norden Südamerikas vor. In den USA lebt es nur ganz im Süden Floridas – rund um die Florida Bay, die Florida Keys und an den Küsten des Everglades-Nationalparks. Es ist deutlich seltener als der Alligator und in den USA als bedrohte Art geschützt.
Warum treffen sich die beiden ausgerechnet hier? Weil die Everglades genau dort liegen, wo das Süßwasser aus dem Landesinneren auf das salzige Meer trifft. Der Alligator mag es süß, das Krokodil verträgt das Salz. Im Brackwasser der Mangrovenküste überschneiden sich ihre Lebensräume.
So erkennst du den Unterschied
Aus der Nähe ist es eigentlich ganz einfach – wenn man weiß, worauf man achten muss.
Die Schnauze
Das wichtigste Merkmal: Der Alligator hat eine breite, abgerundete Schnauze, die von oben an ein „U“ erinnert. Das Krokodil hat eine schmalere, spitz zulaufende Schnauze in „V“-Form.
Die Zähne
Beim Alligator ist der Oberkiefer breiter als der Unterkiefer. Ist das Maul geschlossen, verschwinden die unteren Zähne weitgehend, du siehst vor allem die oberen. Beim Krokodil sind Ober- und Unterkiefer ähnlich breit, deshalb bleiben auch bei geschlossenem Maul Zähne des Unterkiefers sichtbar – besonders ein großer vierter Zahn, der seitlich herausragt. Das sorgt für das typische „Krokodilsgrinsen“.
Die Farbe
Alligatoren wirken meist sehr dunkel, fast schwarz. Das Amerikanische Krokodil ist heller, eher grau-oliv oder bräunlich.
Der Lebensraum
Siehst du ein Panzertier mitten im Sägegras, in einem Kanal am Tamiami Trail oder in einem Teich in Miami, ist es mit sehr großer Wahrscheinlichkeit ein Alligator. Krokodile findest du vor allem an der Küste, in Mangroven und im Brackwasser – etwa im Süden des Nationalparks rund um Flamingo.
Banana-Joe-Tipp: Merk dir einfach: breites „U“ gleich Alligator, spitzes „V“ gleich Krokodil – und dass im Süßwasser fast immer der Alligator auf dich wartet. Auf einer Airboat-Tour im Inland wirst du also praktisch ausschließlich Alligatoren sehen.
Verhalten und Lebensweise
Beide Arten sind wechselwarm und regulieren ihre Körpertemperatur über die Umgebung. Deshalb siehst du sie oft regungslos in der Sonne liegen, manchmal mit offenem Maul. Das ist kein Angriffssignal, sondern eine Art Kühlung.
Alligatoren spielen im Ökosystem eine wichtige Rolle: In der Trockenzeit graben und halten sie sogenannte „Gator Holes“ offen – Wasserlöcher, in denen sich Fische, Schildkröten und Vögel sammeln. Damit sind sie echte Landschaftsgestalter. Weibliche Alligatoren bauen Nesthügel aus Pflanzenmaterial und bewachen ihr Gelege. Auch Krokodilweibchen kümmern sich um ihre Eier, legen sie aber oft in Sand- oder Erdmulden an der Küste ab.
Spannend ist auch die Geschichte: Beide Arten waren im 20. Jahrhundert durch Jagd und Lebensraumverlust stark unter Druck. Der Alligator hat sich dank Schutzmaßnahmen so gut erholt, dass er heute als Erfolgsgeschichte des Artenschutzes gilt. Auch beim Amerikanischen Krokodil gibt es positive Entwicklungen, es bleibt aber deutlich seltener.
Sicherheit: Respekt statt Angst
Alligatoren und Krokodile sind Wildtiere, keine Kuscheltiere. Angriffe auf Menschen sind in Florida selten, aber nicht ausgeschlossen. Mit ein paar einfachen Regeln bist du auf der sicheren Seite:
- Halte immer großen Abstand – auch wenn das Tier träge wirkt.
- Füttere niemals einen Alligator. Das ist in Florida verboten.
- Lass Kinder und Haustiere am Wasser nicht unbeaufsichtigt.
- Bade nur an ausgewiesenen Badestellen und nicht in der Dämmerung in Süßwasserseen.
- Folge auf Touren immer den Anweisungen des Kapitäns oder Guides.
Auf einen Blick
- Alligator: breite U-Schnauze, dunkel, Süßwasser, sehr häufig
- Krokodil: schmale V-Schnauze, heller, Brack- und Salzwasser, selten
- Einzigartig: nur in Südflorida leben beide Arten zusammen
- Beste Reisezeit: Trockenzeit (ca. Dezember bis April), wenn sich Tiere an Wasserstellen sammeln
- Regel Nr. 1: Abstand halten, niemals füttern
Alligatoren live erleben
Auf unseren Everglades-Touren erklären dir deutschsprachige Guides, was du gerade siehst – vom Gator Hole bis zur Schnauzenform. Viele Touren gibt es mit Abholung.

