Everglades · Golfküste
Ganz am Westende des Tamiami Trail, wo die Everglades auf den Golf von Mexiko treffen, liegt ein kleiner Ort mit großer Geschichte: Everglades City. Davor beginnt ein Labyrinth aus Mangroveninseln, Buchten und Kanälen, das so verzweigt ist, dass man ihm den Namen „Ten Thousand Islands“ gab. Hier zeigt sich Südflorida von seiner wildesten und ruhigsten Seite.
Everglades City: ein Dorf mit Vergangenheit
Everglades City ist heute ein beschaulicher Ort mit wenigen Hundert Einwohnern, Fischrestaurants, Bootsanlegern und Häusern auf Stelzen. Doch das war nicht immer so. In den 1920er-Jahren baute der Unternehmer Barron Collier den Ort zu einer Basis für den Bau des Tamiami Trail aus. Everglades City wurde sogar Verwaltungssitz des nach ihm benannten Collier County.
Das änderte sich nach dem schweren Hurrikan Donna im Jahr 1960, der den Ort stark beschädigte. Der Verwaltungssitz wurde wenig später ins sicherere Landesinnere verlegt. Everglades City blieb ein Fischerdorf – mit allem, was dazugehört. In den 1980er-Jahren machte der Ort Schlagzeilen, weil Schmuggel über die unübersichtlichen Inseln eine Rolle spielte und zahlreiche Einwohner bei Razzien festgenommen wurden. Heute erzählt man sich diese Geschichten eher mit einem Augenzwinkern.
Geblieben ist eine entspannte, etwas eigenwillige Atmosphäre. Hier ticken die Uhren langsamer als in Miami, Pelikane sitzen auf den Dalben der Anleger, und viele Einheimische leben nach wie vor vom Fischfang und vom Tourismus auf dem Wasser.
Gleich nebenan liegt Chokoloskee, eine kleine Insel, die über einen Damm erreichbar ist. Sie selbst steht auf einem Hügel aus Muschelschalen, der auf die frühen Bewohner der Region zurückgeht. Der historische Handelsposten, der heute als Museum dient, erinnert an die Zeit, als Pioniere und Seminolen hier Felle, Federn und Waren tauschten.
Die Ten Thousand Islands
Ob es wirklich zehntausend Inseln sind, hat wohl niemand nachgezählt. Fest steht: Vor der Küste zwischen Marco Island und dem Everglades-Nationalpark liegt ein riesiges Gewirr aus Mangroveninseln. Manche sind winzig, andere groß genug für kleine Strände. Dazwischen verlaufen Kanäle, Buchten und Flussmündungen.
Die Mangroven sind das Fundament dieses Ökosystems. Ihre Stelzenwurzeln halten den Schlamm fest, schützen die Küste vor Sturmfluten und bieten Jungfischen eine geschützte Kinderstube. Viele Fische, die später im offenen Meer leben, wachsen hier auf.
Für Tierbeobachter ist die Region ein Traum:
- Große Tümmler jagen in den Kanälen und begleiten manchmal Boote.
- Seekühe sind in den ruhigen Buchten zu Hause.
- Vögel wie Fischadler, Pelikane, Reiher und Rosalöffler nutzen die Inseln als Rast- und Brutplatz.
- Amerikanische Krokodile leben im Brackwasser der Küstenregion – ein seltener Anblick.
Banana-Joe-Tipp: Das Inselgewirr sieht von Wasser aus überall gleich aus. Wer selbst mit Kajak oder Kanu losziehen möchte, sollte nur mit Karte, GPS und guter Vorbereitung starten – oder sich einer geführten Tour anschließen. Auch die Gezeiten spielen hier eine große Rolle.
Essen an der Golfküste
Everglades City ist bekannt für eine Spezialität, die du unbedingt probieren solltest: Steinkrabben (Stone Crabs). Das Besondere: Gefischt werden nur die großen Scheren. Die Krabbe kommt zurück ins Wasser und kann die Schere nachwachsen lassen. Serviert werden die Scheren meist gekühlt mit einer Senfsauce. Die Saison ist auf die kühleren Monate beschränkt – am besten vorab online prüfen.
Daneben findest du in den Restaurants des Ortes frischen Fisch, Garnelen und typische Südstaatenküche. Und wer mutig ist, probiert frittiertes Alligatorfleisch, das in vielen Lokalen der Region auf der Karte steht.
Tor zum Wilderness Waterway
Everglades City ist auch Ausgangspunkt für einen der bekanntesten Wasserwege Floridas: den Wilderness Waterway. Diese markierte Route führt über rund 160 Kilometer durch Mangroven, Buchten und Flüsse bis nach Flamingo am Südende des Nationalparks. Für erfahrene Paddler ist das ein mehrtägiges Abenteuer, übernachtet wird auf erhöhten Plattformen im Wasser oder an einsamen Stränden.
Für die meisten Besucher reicht aber schon ein kurzer Ausflug, um die Magie dieser Landschaft zu spüren. Die Fahrt von Miami über den Tamiami Trail nach Everglades City führt durch Shark Valley und Big Cypress und ist allein schon ein Erlebnis. Mehr Ideen für Ausflüge in die Region findest du bei unseren deutschsprachigen Everglades-Touren.
Auf einen Blick
- Lage: Westende des Tamiami Trail an der Golfküste
- Besonderheit: Mangroven-Labyrinth der Ten Thousand Islands
- Tiere: Delfine, Seekühe, Pelikane, Fischadler, Krokodile
- Kulinarik: Steinkrabben, frischer Fisch, Garnelen
- Beste Reisezeit: Trockenzeit, ca. Dezember bis April (weniger Mücken)
Die wilde Seite Floridas
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