New York · Spaziergang
Ein Spaziergang über die Brooklyn Bridge gehört zu den Dingen, die man in New York einfach gemacht haben muss. Unter dir rauscht der Verkehr, vor dir glitzert die Skyline, und am Ende wartet mit DUMBO eines der spannendsten Viertel Brooklyns. Wir zeigen dir, wie du das Beste aus dieser Tour herausholst.
Eine Brücke mit deutschen Wurzeln
Als die Brooklyn Bridge am 24. Mai 1883 eröffnet wurde, war sie die längste Hängebrücke der Welt und ein technisches Wunderwerk. Was viele nicht wissen: Ihr Konstrukteur war ein Deutscher. John August Roebling stammte aus Mühlhausen in Thüringen, wanderte in die USA aus und wurde zu einem der bedeutendsten Brückenbauer seiner Zeit. Er entwickelte unter anderem Verfahren zur Herstellung von Drahtseilen, die solche Spannweiten erst möglich machten.
Roebling erlebte die Fertigstellung nicht mehr. Bei Vermessungsarbeiten wurde sein Fuß gequetscht, er starb kurz darauf an einer Infektion. Sein Sohn Washington Roebling übernahm die Bauleitung, erkrankte aber selbst schwer an der Taucherkrankheit, die sich viele Arbeiter in den Druckluftkammern unter Wasser zuzogen. Vom Krankenbett aus leitete er das Projekt weiter – und seine Frau Emily Warren Roebling wurde zur entscheidenden Verbindung zur Baustelle. Sie eignete sich enormes technisches Wissen an und gilt heute als heimliche Mitbauerin der Brücke. Kurz vor der offiziellen Eröffnung durfte sie als Erste über die fertige Brücke fahren.
Die richtige Richtung wählen
Die Brücke ist knapp zwei Kilometer lang, wenn du die Rampen auf beiden Seiten mitzählst. Gemütlich gelaufen mit Fotostopps bist du etwa 30 bis 45 Minuten unterwegs. Die große Frage ist: Von wo nach wo?
- Von Brooklyn nach Manhattan: Du läufst die ganze Zeit direkt auf die Skyline von Lower Manhattan zu. Für Fotografen ist das die schönere Variante.
- Von Manhattan nach Brooklyn: Praktisch, wenn du ohnehin in Downtown unterwegs bist. Der Aufgang liegt in der Nähe der City Hall. Dafür hast du die Skyline im Rücken und musst dich öfter umdrehen.
Unser Vorschlag: Fahr mit der Subway nach Brooklyn, erkunde zuerst DUMBO und laufe dann zurück nach Manhattan. So endet dein Spaziergang mit dem besten Blick.
Banana-Joe-Tipp: Bleib auf dem Fußgängerweg. Früher teilten sich Fußgänger und Radfahrer die Promenade, inzwischen haben Radler eine eigene Spur auf Fahrbahnebene. Trotzdem gilt: Mitten auf dem Weg stehen bleiben für Fotos sorgt für Unmut – tritt kurz zur Seite.
Was du unterwegs sehen kannst
Die beiden mächtigen Pfeiler aus Granit und Kalkstein mit ihren gotischen Doppelbögen sind das Markenzeichen der Brücke. Am Fuß der Pfeiler erinnern Tafeln an die Erbauer. Achte auf das Netz aus Stahlseilen: Neben den Tragseilen hat Roebling schräge Spannseile eingebaut, die der Brücke ihr typisches Spinnennetz-Muster und zusätzliche Stabilität geben.
Von der Mitte aus siehst du auf der einen Seite die Manhattan Bridge und dahinter die Williamsburg Bridge, auf der anderen Seite den Hafen mit der Freiheitsstatue in der Ferne. Bei klarer Sicht ist das eines der schönsten Panoramen der Stadt.
DUMBO: Vom Industriegebiet zum Szeneviertel
Der Name klingt nach Elefant, ist aber eine Abkürzung: Down Under the Manhattan Bridge Overpass. Das Viertel zwischen den beiden Brücken war lange von Lagerhäusern und Fabriken geprägt. Ab den 1970er- und 1980er-Jahren zogen Künstler in die leeren Hallen, später folgten Galerien, Cafés, Start-ups und schicke Lofts. Die alten Backsteinbauten und das Kopfsteinpflaster sind geblieben.
Die Highlights in DUMBO
- Washington Street: Der wohl berühmteste Fotospot Brooklyns. Zwischen den Backsteinhäusern rahmt die Manhattan Bridge den Blick ein, und durch ihre Stahlpfeiler hindurch blitzt das Empire State Building hervor.
- Brooklyn Bridge Park: Ein Uferpark auf ehemaligen Piers mit Rasenflächen, Spielplätzen und Sportanlagen – ideal zum Durchatmen.
- Jane’s Carousel: Ein restauriertes historisches Karussell in einem gläsernen Pavillon direkt am Wasser.
- Pebble Beach: Ein kleiner Kiesstrand mit freiem Blick auf Manhattan und beide Brücken.
Wer noch Energie hat, läuft weiter zur Brooklyn Heights Promenade. Der Weg führt durch eines der ältesten und elegantesten Wohnviertel Brooklyns mit Brownstone-Häusern aus dem 19. Jahrhundert, und die Promenade selbst bietet einen der klassischen Blicke auf Lower Manhattan.
Zurück in Manhattan lohnt sich ein Abstecher in die Gegend rund um Wall Street und das 9/11 Memorial. Mehr dazu erlebst du auf unserer Tour Erlebe den Süden Manhattans.
Auf einen Blick
- Beste Reisezeit: früher Morgen oder Sonnenuntergang; Frühling und Herbst sind angenehm
- Eröffnung: 24. Mai 1883
- Länge des Spaziergangs: knapp zwei Kilometer, etwa 30 bis 45 Minuten
- Empfohlene Richtung: von Brooklyn nach Manhattan
- Fotospot: Washington Street in DUMBO
Brücke, Skyline und Geschichten auf Deutsch
Du willst mehr über Roebling, Downtown und den Süden Manhattans erfahren? Begleite einen unserer deutschsprachigen Guides zu Fuß durch die Stadt.

