Grand Central Terminal & Midtown-Architektur: Ein Rundgang

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New York · Architektur

Midtown Manhattan ist ein Freilichtmuseum der Baukunst. Im Zentrum steht ein Bahnhof, der eher an einen Palast erinnert: Grand Central Terminal. Von hier aus erreichst du in wenigen Minuten einige der schönsten Gebäude der Stadt – vom Chrysler Building bis zur New York Public Library.

Grand Central Terminal: Ein Bahnhof wie eine Kathedrale

Grand Central Terminal wurde 1913 eröffnet und ersetzte einen älteren Bahnhof an gleicher Stelle. Die Architekturbüros Reed & Stem sowie Warren & Wetmore entwarfen ein Gebäude im Stil der Beaux-Arts mit monumentaler Fassade, hohen Bogenfenstern und einer Skulpturengruppe rund um eine große Uhr, über der der Gott Merkur thront.

Eine wichtige technische Neuerung war die Elektrifizierung: Weil die Züge nicht mehr mit Dampf fuhren, konnten die Gleise unterirdisch verlegt und darüber wertvolles Bauland genutzt werden. Auf diesem überbauten Gleisfeld entstand später die Park Avenue mit ihren eleganten Gebäuden.

Was du in Grand Central nicht verpassen solltest

  • Der Sternenhimmel: Die türkisfarbene Decke über der Main Concourse zeigt den Winterhimmel mit Sternbildern und Tierkreiszeichen. Kurios: Der Himmel ist spiegelverkehrt dargestellt. Ob das ein Fehler war oder Absicht – darüber wird bis heute gerne erzählt.
  • Der dunkle Fleck: Bei der Restaurierung in den 1990er-Jahren wurde die Decke gereinigt. Eine kleine Stelle ließ man bewusst ungereinigt, um zu zeigen, wie verrußt sie vorher war – vor allem durch Tabakrauch.
  • Die Uhr am Informationsstand: Die vierseitige Uhr auf dem Kiosk in der Mitte der Halle ist einer der bekanntesten Treffpunkte New Yorks.
  • Die Whispering Gallery: Vor dem Oyster Bar Restaurant im Untergeschoss befindet sich ein gekachelter Gewölbebogen. Stell dich in eine Ecke und flüstere gegen die Wand – dein Gegenüber in der diagonalen Ecke hört dich klar und deutlich.

Gerettet in letzter Minute

Dass Grand Central heute noch steht, ist keine Selbstverständlichkeit. 1963 wurde die prachtvolle alte Penn Station abgerissen, ein Verlust, der viele New Yorker schockierte und zur Gründung der Denkmalschutzbehörde der Stadt führte. Als auch für Grand Central Pläne für einen Hochhausturm über der Halle auftauchten, formierte sich Widerstand. Eine prominente Unterstützerin war Jacqueline Kennedy Onassis.

Der Streit ging bis vor den Obersten Gerichtshof der USA, der 1978 entschied, dass die Stadt das Gebäude unter Denkmalschutz stellen durfte. Dieses Urteil gilt bis heute als Meilenstein des Denkmalschutzes in den Vereinigten Staaten.

Banana-Joe-Tipp: Schau dir die Main Concourse am besten vom Balkon an der Westseite aus an. Von oben siehst du, wie sich Tausende Pendler kreuzen, ohne zusammenzustoßen – ein faszinierendes Schauspiel, besonders zur Rushhour.

Architektur-Ikonen rund um Grand Central

Von Grand Central aus kannst du einen wunderbaren Architekturspaziergang durch Midtown unternehmen. Die folgenden Gebäude liegen alle in Gehweite:

  • Chrysler Building: Fertiggestellt 1930 und entworfen von William Van Alen, ist es für viele das schönste Hochhaus der Welt. Die Edelstahlspitze mit ihren gestaffelten Bögen und die Wasserspeier in Form von Adlerköpfen sind Art déco in Vollendung. Die Lobby mit ihren Marmorwänden und Deckengemälden kann oft besichtigt werden.
  • New York Public Library: Das Hauptgebäude an der Fifth Avenue wurde 1911 eröffnet. Bewacht wird der Eingang von zwei Marmorlöwen, die die Namen Patience und Fortitude tragen – Geduld und Tapferkeit. Der Lesesaal im obersten Stock ist ein Traum aus Holz und Licht.
  • Bryant Park: Direkt hinter der Bibliothek liegt eine grüne Oase, die im Sommer zum Picknicken und im Winter mit Eisbahn und Markt lockt.
  • Rockefeller Center: Der in den 1930er-Jahren errichtete Komplex ist ein Gesamtkunstwerk des Art déco mit Reliefs, Skulpturen und der berühmten Plaza.
  • St. Patrick’s Cathedral: Die neugotische Kathedrale an der Fifth Avenue bildet einen eindrucksvollen Kontrast zu den gläsernen Türmen ringsum.

Moderne Klassiker an der Park Avenue

Wer Architektur des 20. Jahrhunderts liebt, sollte die Park Avenue nördlich von Grand Central entlanglaufen. Das Seagram Building von Ludwig Mies van der Rohe, fertiggestellt 1958, ist eine Ikone des internationalen Stils – ein Deutscher prägte hier also die moderne Skyline New Yorks mit. Gleich gegenüber steht das Lever House, eines der ersten Hochhäuser mit einer Vorhangfassade aus Glas.

Und dann ist da noch One Vanderbilt direkt neben Grand Central, einer der höchsten Wolkenkratzer der Stadt. Ganz oben befindet sich die Aussichtsplattform Summit. So siehst du auf wenigen Blocks über hundert Jahre Architekturgeschichte. Wenn du diese Highlights mit einem Guide erleben möchtest, schau dir unsere Tour Das Herz von Manhattan an.

Auf einen Blick

  • Beste Reisezeit: ganzjährig; Grand Central ist bei jedem Wetter ein Erlebnis
  • Grand Central eröffnet: 1913
  • Denkmalschutz bestätigt: 1978 durch den Obersten Gerichtshof
  • In Gehweite: Chrysler Building, New York Public Library, Bryant Park, Rockefeller Center
  • Zeitbedarf: zwei bis drei Stunden für einen Architekturspaziergang

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