New York · Geschichte & Gedenken
Kaum ein Ort in New York berührt Besucher so sehr wie das Gelände des World Trade Centers. Wo am 11. September 2001 die Zwillingstürme einstürzten, ist ein Ort der Stille und des Gedenkens entstanden – und gleichzeitig ein Symbol dafür, wie eine Stadt wieder aufsteht.
Der 11. September 2001
Am Morgen des 11. September 2001 entführten Terroristen vier Passagierflugzeuge. Zwei davon wurden in die Türme des World Trade Centers gesteuert, eines in das Pentagon bei Washington, das vierte stürzte nach dem Widerstand der Passagiere bei Shanksville in Pennsylvania ab. Beide Türme in New York stürzten innerhalb von weniger als zwei Stunden ein. Fast 3.000 Menschen verloren an diesem Tag ihr Leben, darunter Hunderte Feuerwehrleute und Rettungskräfte.
Die Aufräumarbeiten am sogenannten Ground Zero dauerten Monate. Danach begann eine lange Phase der Planung, in der über die Neugestaltung des Geländes gerungen wurde. Am Ende stand ein Konzept, das Gedenken und neues städtisches Leben miteinander verbindet.
Das Memorial: Zwei Wasserbecken in den Fußabdrücken der Türme
Herzstück der Gedenkstätte sind zwei riesige quadratische Becken, die genau dort liegen, wo einst die Zwillingstürme standen. Der Entwurf „Reflecting Absence“ stammt vom Architekten Michael Arad und dem Landschaftsarchitekten Peter Walker. Wasser stürzt an allen vier Seiten in die Tiefe und verschwindet in der Mitte in einer weiteren, scheinbar bodenlosen Öffnung. Das Rauschen schluckt die Geräusche der Stadt.
In die bronzenen Brüstungen rund um die Becken sind die Namen der fast 3.000 Opfer der Anschläge vom 11. September 2001 sowie der sechs Opfer des Bombenanschlags auf das World Trade Center von 1993 eingraviert. Die Namen sind nicht alphabetisch geordnet, sondern nach Zusammenhängen – Kollegen, Crews, Rettungseinheiten und Menschen, die einander nahestanden, stehen beieinander. An Geburtstagen der Opfer wird traditionell eine weiße Rose in den jeweiligen Namen gesteckt.
Der Survivor Tree
Zwischen den Bäumen auf dem Platz steht ein besonderer Birnbaum. Er wurde nach den Anschlägen schwer beschädigt aus den Trümmern geborgen, gesund gepflegt und später zurück auf das Gelände gepflanzt. Heute gilt der Survivor Tree als Symbol der Hoffnung und Widerstandskraft.
Das 9/11 Museum
Unter dem Platz liegt das National September 11 Memorial & Museum, das 2014 eröffnet wurde. Es führt bis hinunter auf das Fundamentniveau der ehemaligen Türme. Zu sehen sind unter anderem Reste der ursprünglichen Stützmauer, die das Wasser des Hudson River abhielt, eine Treppe, über die viele Menschen fliehen konnten, sowie persönliche Gegenstände, Fotos und Tonaufnahmen. Der Besuch ist bewegend und kann emotional sehr fordernd sein – nimm dir Zeit und plane danach eine ruhige Pause ein.
Banana-Joe-Tipp: Besuche zuerst das Memorial und erst danach das Museum. So hast du die Dimensionen der Becken vor Augen, wenn du unten die Fundamente siehst. Für das Museum solltest du Zeitfenster und Bedingungen vorab online prüfen.
One World Trade Center und der Oculus
Direkt neben der Gedenkstätte erhebt sich das One World Trade Center, das höchste Gebäude der westlichen Hemisphäre. Mit seiner Antenne ist es genau 1.776 Fuß hoch – eine bewusste Anspielung auf 1776, das Jahr der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung. Der Turm wurde 2014 eröffnet. Ganz oben liegt die Aussichtsplattform One World Observatory, von der du über ganz Manhattan, den Hafen und bis weit nach New Jersey blickst.
Ein architektonisches Highlight ist auch der Oculus des spanischen Architekten Santiago Calatrava. Das weiße Gebäude, das an einen Vogel mit ausgebreiteten Flügeln erinnern soll, beherbergt einen Verkehrsknotenpunkt und ein Einkaufszentrum. Die riesige Halle im Inneren ist hell, offen und allein schon einen Blick wert.
Nur wenige Schritte entfernt steht die St. Paul’s Chapel, die älteste erhaltene Kirche Manhattans. Sie überstand den Einsturz der Türme nahezu unbeschädigt und diente in den Monaten danach als Ort der Ruhe und Versorgung für die Rettungskräfte.
Respektvoll besuchen
Das Memorial ist ein Friedhof ohne Gräber. Für viele Angehörige liegen hier die einzigen Erinnerungen an ihre Liebsten. Deshalb gilt: nicht auf die Namensbrüstungen setzen oder lehnen, nichts darauf abstellen, leise sprechen und bei Fotos Rücksicht nehmen. Selfies mit breitem Grinsen wirken hier fehl am Platz. Mehr über die Geschichte von Downtown erfährst du auf unserer Tour Erlebe den Süden Manhattans.
Auf einen Blick
- Beste Reisezeit: ganzjährig; morgens ist es ruhiger
- Memorial eröffnet: 11. September 2011, Museum 2014
- One World Trade Center: 1.776 Fuß hoch, eröffnet 2014
- Zeitbedarf: Memorial rund 45 Minuten, Museum mindestens zwei Stunden
- Bitte beachten: respektvolles Verhalten an den Namensbrüstungen
Downtown verstehen, nicht nur sehen
Lass dir die Geschichte des World Trade Centers und des Financial District von einem deutschsprachigen Guide einfühlsam erklären.

